Welche Kennzahlen im Verpackungsprozess verbessern die Effizienz in der Lagerlogistik?
Der Verpackungsprozess wirkt im Vergleich zu anderen Lagerprozessen, die sich automatisieren und robotisieren lassen, sowohl in Gesprächen innerhalb von Organisationen als auch im Branchendiskurs nicht besonders spektakulär. Das hat unser einfacher Suchmaschinentest gezeigt. In der Folge finden sich auch in Fachpublikationen kaum Informationen darüber, welche KPIs im Verpackungsprozess es wert sind, gemessen zu werden. Genau aus diesem Grund ist der folgende Artikel entstanden.
Warum lohnt es sich, eigene Verpackungs-KPIs festzulegen?
Unser Suchmaschinentest hat gezeigt, dass das Verpacken häufig zusammen mit der Kommissionierung oder dem Versand in eine gemeinsame Sammelkategorie eingeordnet wird. Daraus ergeben sich typische Konsequenzen:
- Eine höhere Kommissionierleistung erhöht die Belastung im Verpackungsprozess, aber niemand erkennt das in den Daten,
- Mitarbeitende packen nach ihren eigenen Gewohnheiten und nicht nach einem einheitlichen Standard,
- Ähnliche Bestellungen landen in unterschiedlichen Verpackungen,
- Die Zahl der Umpackvorgänge, Korrekturen und Ausnahmen steigt,
- Die Erfahrung einzelner Personen bekommt mehr Gewicht als ein gut gestalteter Prozess,
- Die Verpackungskosten steigen, bleiben aber in anderen operativen Kategorien verborgen.
Genau deshalb muss die Packstation getrennt analysiert werden. Nicht als Ergänzung zur Kommissionierung, sondern als eigenständige Phase zum Abschluss des Prozesses.
Welche Kennzahlen im Verpackungsprozess von Paketen sollte man messen?
Es lohnt sich, jene Kennzahlen zu messen, die zeigen, ob der Verpackungsprozess schnell, korrekt und wirtschaftlich funktioniert. Aus dieser Perspektive sollten die folgenden KPIs im Verpackungsprozess für den Versand im Lager unterschieden werden:
- Verpackungszeit
- Verpackungsleistung
- Anzahl der Umpackvorgänge infolge erkannter Fehler
- Anzahl falsch verpackter und versandter Pakete
- Anteil der Pakete, die beim ersten Mal korrekt verpackt werden
- Verbrauch von Verpackungsmaterialien
KPI: Verpackungszeit
Das ist die grundlegende Kennzahl. Sie zeigt, wie lange der Abschluss einer Bestellung an der Packstation dauert. Sie kann für ein einzelnes Paket, eine einzelne Bestellung (wenn diese üblicherweise aus mehreren Paketen besteht) oder für Gruppen von Bestellungen mit ähnlicher Charakteristik gemessen werden.
Diese Kennzahl hilft dabei, folgende Fragen zu beantworten:
- Welche Auftragstypen benötigen am meisten Zeit?
- Wo verlieren Mitarbeitende Zeit?
- Vereinfacht ein Verpackungsstandard die Arbeit tatsächlich?
- Hat eine neue Lösung an der Packstation den Vorgang verkürzt?
KPI: Verpackungsleistung
Sie wird meist als Anzahl verpackter Pakete oder Bestellungen pro Arbeitsstunde berechnet. Das ist die Kennzahl, die den tatsächlichen Durchsatz der Verpackungszone zeigt.
Das Ergebnis allein reicht jedoch nicht aus. Es muss zusammen mit der Qualität betrachtet werden. Eine hohe Leistung bei gleichzeitig steigender Fehlerzahl bedeutet keine Prozessverbesserung, sondern nur eine Verlagerung der Kosten an eine andere Stelle. Aus diesem Grund widmen wir die nächsten drei Verpackungs-KPIs der Analyse der Verpackungsqualität.
KPI: Anzahl der Umpackvorgänge infolge erkannter Fehler
Das ist eine sehr praktische Kennzahl, die zeigt, wie oft ein Fehler noch vor dem Versand erkannt wurde und eine Korrektur erforderlich machte. Einerseits ist das ein zusätzlicher Aufwand an Zeit, Materialien und Arbeit, andererseits ist es besser, das Problem in dieser Phase zu diagnostizieren, als diese Kosten in Reklamationen zu verlagern, weil sie dann nicht nur in Geldwerten, sondern auch in einer Schwächung des Markenbildes in den Augen des Kunden gemessen werden.
Wenn der Kennwert der Umpackvorgänge hoch ist, suche die Ursache zuerst in:
- dem Verpackungsstandard,
- der Ergonomie der Packstation,
- der Verständlichkeit der Anweisungen,
- der Organisation der Materialien,
- uneindeutigen Regeln bei der Auswahl der Verpackung.
KPI: Anzahl falsch verpackter und versandter Pakete
Das ist die Kennzahl für nicht erkannte Fehler. Sie zeigt, wie viele falsch verpackte Sendungen den Prozess durchlaufen haben und zum Kunden gegangen sind. Das darf nicht ausschließlich als Qualitätsproblem analysiert werden. Es ist auch ein Signal dafür, dass der Verpackungsprozess nicht stabil genug ist oder keine geeigneten Kontrollpunkte hat.
KPI: Anteil der Pakete, die beim ersten Mal korrekt verpackt werden
Das ist eine der besten Kennzahlen für die Reife des Prozesses. Sie zeigt, wie viel Prozent der Bestellungen die Packstation ohne Korrekturen, ohne Umpacken und ohne Eingriffe durchlaufen.
Wenn diese Kennzahl niedrig ist, bedeutet das, dass der Verpackungsprozess nicht wiederholbar ist.
KPI: Verbrauch von Verpackungsmaterialien
Diese Kennzahl misst man am besten pro Paket oder pro Auftragskategorie. Dadurch wird sichtbar, ob die Kosten aus berechtigten Gründen steigen oder weil der Verpackungsprozess nicht standardisiert ist.
Frage zum Abschluss: Welche Verpackungs-KPIs wirst du zuerst einführen?
Das Verpacken von Paketen sollte nicht als technischer Zusatz zur Kommissionierung behandelt werden. Es ist eine eigene Phase des Lagerprozesses, die sich direkt auf Durchsatz, Kosten, Qualität und Skalierbarkeit der Abläufe auswirkt.
Wenn du das Verpacken nicht getrennt misst, weißt du nicht, ob das Prozessende effizient funktioniert oder Fehler nur durch Improvisation ausgeglichen werden. Und dort, wo anstelle von Daten Gewohnheit tritt, steigen die Betriebskosten sehr schnell.
Deshalb ist der erste Schritt kein umfangreicher Bericht und kein neues System. Der erste Schritt ist die Abgrenzung des Verpackungsprozess, die Benennung seiner Phasen und die Einführung einiger grundlegender Kennzahlen im Verpackungsprozess.
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